Brünnle-Wirt Arthur Mühlebach

Ein Lahrer Original ging dahin

Am 15 März 2001 verstarb Arthur Mühlebach im Alter von 92 Jahren. Er war sicher eines der letzten Lahrer Originale. Jeder kannte ihn unter seinem Vornamen was normalerweise in Deutschland nicht üblich ist. Viele Freunde und Besucher seines Stammtisches sowie viele hier ansässige Menschen die seine exzentrische Art und sein enthusiastisches Musizieren schätzten, trauern um ihn. Diese musikalischen Darbietungen als Hauswirt war auch vielen Kanadiern weithin bekannt, für die er immer sehr entgegenkommend war. Er zeigte gerne Postkarten von kanadischen Freunden, besonders die, die an die wundervollen Abende am Gasthaus Brünnle in den Sechzigern und in den Siebzigern erinnerten, als er noch sehr aktiv und umgänglich war.

Es gab zwei triftige Gründe für die Besuche bei Arthur: die Atmosphäre des alten Gasthauses, das vermutlich nie erneuert worden war, seit er es von seinen Eltern übernommen hatte, und die Persönlichkeit des Mannes, der seine Gäste unterhielt. Er sang seine eigenen Lieder, die von den Freuden am Leben, über seine Liebe zu seiner schönen Heimatstadt Lahr erzählten (er schrieb Text und Musik). Für Kanadier sang er die populären internationalen Folksongs, die sie erkennen würden und immer begleitete er sich selbst auf dem Klavier trotz seiner verkrüppelten Hand, die teilsweis durch ein explodierendes Geschoß während des zweiten Weltkrieges zerstört worden war.

Im Verlauf der Achtziger und der Neunziger Jahre wurde es ruhiger im Gasthaus “Brünnle” und um Arthur, aber er schloß nie wirklich. Für die letzten Jahre wohnte er direkt im Gasthaus selbst. Welches sein Schlaf- und Wohnzimmer war, in das er Besucher ließ, wenn das Wetter warm und er in guter Stimmung war. Öffnungszeiten waren folglich unvorhersehbar und nur während des Tages. Während Sie entlang Lahrs Hauptstraße gingen mußten Sie nur beobachten, ob die vordere Tür geöffnet war. Wenn Sie den dunklen Raum mit hölzernem Panelen und Möbeln, und den befleckten Glasfenstern betraten, glaubten Sie, auf Zeitreise zu gehen. Das großartige Klavier war eine herausragendes Element und das Camperbett war in der Ecke versteckt.

Meine letzte Begegnung mit Arthur war an einem sonnigen Tag im letzten September, als ein neues Kulturbüro und Touristeninformationzentrum im alten Rathaus eröffnet wurde. Ich ging dort mit meiner Bussinesenglischklasse von der Volkshochschule (VHS) und sah die geöffnete Tür, also sagte ich: “da gehen wir auf dem Rückweg hinein.” (Arthur kannte mich von meiner Arbeit als kanadischer Repräsentant). Die Männer der Gruppe kamen zuerst am Brünnle an. Höflich aber dennoch bestimmend erklärt Arthur ihnen daß sie nicht willkommen wären, da er sie nicht kannte. Als wir “Ladies” ankamen, änderte sich die Situation vollständig! Er hob die Abdeckungen vom Klavier, begann sein Spiel und sang ein paar Lieder zu unserer Unterhaltung, einschließlich “Amazing Grace“.

Selbstverständlich wußte ich nicht, daß ich noch einmal die Gelegenheit haben würde, diese merkwürdige aber rührende Situation zu erfahren. Jedoch letzten November, gab es eine spezielle Ausstellung über Schwarzweiss-Photographien, die von Arthur's Enkel in der Villa Jamm in Lahr's Stadtpark vorgestellt wurden, das mich an sein historisches Erbe denken ließ. Die Bilderreihe stellte die Geschichte der veralteten Brauerei, welche für Generationen im Besitz seiner Familie war, mit nostalgischen Bildern staubiger Flaschen und der Maschinen, die mit Spinnetzen bedeckt waren. Der Name “Brünnle“ bedeutet “kleine Quelle“ - Quelle von Spiritus, nicht Wasser! Wirklich belegten die Brauerei und die Brennerei den Hauptteil des Gebäudes, weil die Gasthäuser in der Vergangenheitihr ihr eigenes Bier brauen mußten. Diese Produktion hörte auf, als sie nicht mehr rentabel war, aber Arthur pflegte seine eigenen Schnapps in seinen jüngeren Tagen zu brennen. Und könnte ruhig vor Fernsehkameras den Ablauf demonstrieren wie vor einigen Jahren als ein regionales Fernsehenteam ihn für ein Programm filmte. Er war der Letzte in einer langen Reihe der Tradition. Die magnetische Anziehung der Brauerei Brünnle ist, daß er sie unberührt für so lang ließ. Die Zeit ist dort stehengeblieben. Aber das ist auch ein Nachteil: das vernachlässigte Gebäude ist heruntergekommen, eine Birke wächst aus dem Dach heraus. Seine Erben werden vermutlich die wertvolle, im Stadtzentrum gelegene Seite zum Abriß und Neubau verkaufen - wie traurig . . .

Trisha Cornforth

  
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